Im Herzen immer Kroate
Stjepan Herceg wurde 1952 in Kroatien geboren, von 1972 bis 1974 hielt er sich erstmals in Deutschland auf – als Praktikant in einem katholischen Internat; danach kehrte er in seine Heimat zurück und kam dann 1976 zum Studium zurück und blieb. Er gründete hier eine Familie mit einer Deutschen. Seine beiden Kinder haben die deutsche und die kroatische Staatsangehörigkeit.Zwei Pässe, das wäre auch ganz im Sinne des 54-Jährigen, der nur einen kroatischen Pass hat. Er ist Mitarbeiter des Deutschen Caritasverbands in Freiburg. Warum sollte ein Mensch, der nach vielen Jahrzehnten den Ausweis sein Eigen nennen darf, der seine Identität widerspiegelt, diesen wieder abgeben? Wer Stjepan Herceg davon überzeugen möchte, die deutsche Staatsbürgerschaft zu beantragen, müsste eine überzeugende Antwort auf diese Frage haben.
Er selbst kennt eine Antwort, doch die ist noch Zukunftsmusik. Wer Menschen wie ihn verstehen möchte, kommt mit Pragmatismus nicht weiter. Ein deutscher Pass wäre schon gut, das weiß er seit langem. “Schon allein, damit wir alle in der Familie einen deutschen Pass haben”, sagt er. Seine Frau ist Deutsche, seine 24-jährige Tochter und sein 21-jähriger Sohn können als Kinder einer binationalen Ehe beide Pässe haben. Er aber will seinen kroatischen Pass behalten, und das hängt damit zusammen, dass er nach dem Zerfall Jugoslawiens das wurde, was er offiziell nicht sein durfte, aber im Herzen schon immer gewesen war: ein Kroate. “Als ich 1992 meinen kroatischen Pass bekam, wurde ich ein Subjekt”, sagt Stjepan Herceg. Endlich hatte sein Gefühlszustand einen offiziell anerkannten Status.
Als Kind und Jugendlicher hatte er in einem Land – Jugoslawien – gelebt, das seine Identität als Kroate nicht gerade unterstützte. Wenn er in der alten Heimat ist, stellt ihm irgendjemand immer die Frage, ob er sich denn schon “verkauft” habe. Nein, antwortet er dann, er habe noch seinen kroatischen Pass. Und er denke auch nicht daran, ihn gegen den deutschen auszutauschen.
Jedenfalls nicht unter den derzeitigen Bedingungen. Mit dem deutschen Pass wäre er ein “Ausländer” in Kroatien, müsste sich jedes Mal bei der Anmeldebehörde registrieren und sogar Kurtaxe bezahlen. “Da käme ich mir ziemlich seltsam vor”, sagt Stjepan Herceg. “Ich hätte in meinem Elternhaus ein komisches Gefühl. Ich müsste jedes Mal, wenn ich heimkomme, mich rechtfertigen, müsste sehr viel erklären.” Das ist ihm zu mühselig, zu strapaziös. Die Kosten und das aufwendige Verfahren nennt er als weitere Hindernisse für die Einbürgerung, zumal er keinen unmittelbaren Vorteil, keinen Gewinn für sich sieht. “In meiner Umgebung und in meiner Beziehung zu Menschen würde sich doch nichts ändern.” Nicht sein Akzent, nicht sein Name. Er würde – spekuliert Stjepan Herceg – nach wie vor als der Ausländer gelten, und er selbst würde sich nach wie vor als Kroate mit deutscher Staatsangehörigkeit fühlen. “Ich bin Kroate, war es und werde es bleiben.” Also belässt er es bei dem Ist- Zustand.
“Ich wäre nicht besser integriert, wenn ich den deutschen Pass hätte”, meint der 54-Jährige. Das Ausweisdokument sei kein Garant für die Integration. Wenn die Menschen mitbestimmen könnten über die Politik ihrer Kommune, in die ihre Steuern fließen, dann würden sie sich mehr mit diesem Land identifizieren.
Ungern lässt sich Stjepan Herceg auf Diskussion um Identität und Staatsbürgerschaft ein. Es gibt Situationen, in denen er gar nicht erwähnt, keinen deutschen Pass zu haben; und zwar dann, wenn er das Gefühl hat, Menschen gegenüberzustehen, vor denen er sich rechtfertigen müsste dafür, dass er noch nicht eingebürgert ist. “Viele verstehen ja nicht, dass einer wie ich – also ein integrierter Migrant – sich nicht einbürgern lässt”, sagt Stjepan Herceg.
Der Caritas-Mitarbeiter beschreibt sich selbst als “im Prozess der Integration ziemlich weit gekommen”. Er kam eigentlich nur zum Studieren – und nicht mit der Absicht, hier zu bleiben. Die Ordensgemeinschaft der Salesianer unterstützte ihn, übernahm die Bürgschaft, damit die Ausländerbehörde ihm eine Aufenthaltsgenehmigung zum Studieren erteilte. “Nach dem Examen hätte ich im Grunde nicht hier bleiben dürfen”, berichtet Stjepan Herceg. Sein Studium – zunächst Theologie, dann im Anschluss Sozialpädagogik – beendete er 1981. Hätte er ein Jahr zuvor nicht beim Katholikentag in Berlin an dem Forum “Ausländer in Deutschland” teilgenommen, dann wäre sein Leben möglicherweise ganz anders verlaufen. “Dort habe ich erfahren, dass für die Sozialdienste der Caritas Mitarbeiter mit interkultureller Kompetenz gesucht wurden.”
Das Profil passte zu ihm, also bewarb er sich und bekam bei der Caritas eine Anstellung. Herceg profitierte von der Ausnahmeregelung für Sozialarbeiter, für die Betreuung von Mitmenschen aus den Anwerbeländern zunächst eine befristete Arbeitserlaubnis zu erhalten. In Bad Säckingen an der Schweizer Grenze trat er seine Stelle als Sozialarbeiter für Arbeitnehmer aus Jugoslawien an. Nach sieben Jahren wechselte er zum Deutschen Caritasverband nach Freiburg, zum Referat Ausländische Arbeitnehmer, wo er “Nationalreferent” für seine Landsleute wurde. Heute heißt die Abteilung “Migration und Integration”, und dort ist Stjepan Herceg immer noch beschäftigt.
Er liebt seine Heimat Kroatien, und er lebt gerne in Deutschland. Aufgewachsen ist Stjepan Herceg in Nordkroatien, in der Nähe von Zagreb. Seine ganze Verwandtschaft lebt noch dort, er ist der Einzige, der weggegangen ist. Er kehrt aber immer wieder zurück nach Kroatien, in den Ort seiner Kindheit und Jugend, in sein Elternhaus. Er besucht seine Familie, Verwandtschaft und Freunde. Sehr intensiv beobachtet er das politische Geschehen, verfolgt die sportlichen und kulturellen Ereignisse. Mit dem Internet, der verbesserten Infrastruktur und den Billig-Airlines sei seine Heimat näher gerückt. “Ich fliege manchmal für 19 Euro”, berichtet Stjepan Herceg. In den ersten Jahren, als es noch keine guten und billigen Flugverbindungen gab, da war die Fahrt mit dem Auto oder Bus wie eine Weltreise. “Auch nach 30 Jahren freue ich mich auf den Besuch in Kroatien, das mit ganz vielen Kindheitserinnerungen verbunden ist, und freue mich dann aber auch wieder auf die Rückkehr nach Deutschland. Wenn ich schon von Ferne das St. Stefan Münster von Breisach sehe, dann sage ich mir, ach, da bin ich also wieder daheim.”
Die Diskussion darüber, ob der deutsche Pass am Anfang oder am Ende der Integration stehen sollte, findet Stjepan Herceg mühselig. “Der Pass ist doch kein Integrationsausweis.” Viele betrachteten ihn lediglich als ein Reisedokument. “Ich habe noch keinen kennen gelernt, der von sich gesagt hat: ,Ich habe den deutschen Pass beantragt, weil ich so weit integriert bin und meine, jetzt Deutscher sein zu dürfen.’”
Was bringt mir der deutsche Pass persönlich? Nicht viel, zu dieser Einsicht ist Stjepan Herceg gelangt. Zumindest dann nicht, wenn damit der Verlust des kroatischen Passes verbunden ist. Er hatte gehofft, dass lange in Deutschland lebende Migranten eingebürgert werden, ohne den Pass ihres Herkunftslandes abgeben zu müssen. Stjepan Herceg meidet anfangs den Begriff “doppelte Staatsangehörigkeit”, später erklärt er, warum er Probleme damit hat. Diese Formulierung impliziere “ein Mehr” und erwecke bei vielen Deutschen den Eindruck, dass die Migranten mehr als sie selbst hätten, wenn sie eingebürgert würden, ohne den Pass ihres Herkunftslandes abzugeben. Da komme wohl so etwas wie Neid auf. Wir haben ja auch nur die deutsche Staatsangehörigkeit, warum sollen “die” mehr als wir haben.
“Ich glaube, dass die doppelte Staatsbürgerschaft meine Identität spiegeln würde”, sagt er. Es gibt aber noch eine andere Lösung, die ihn zufrieden stellen würde: ein vereintes Europa, in dem die einzelnen Identitäten und Nationalitäten erhalten bleiben mit all den unterschiedlichen kulturellen Prägungen, in dem der EU-Pass die Länderpässe ablöst. “Ich hoffe, dass ich das noch erlebe.”

Der ist doch Bosnisch Hercegovinischer Kroate.
Manche würden auch Bosnischer Katholik sagen, sieht man schon am Familienamen muahahahahaha
Und ein Türke schreibt darüber nen Bericht, wie witzig………….
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